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02.02.26

Wind statt Rohöl: Nachhaltiger und frischer Kaffee durch Segeltransport?

Wind statt Rohöl: Nachhaltiger und frischer Kaffee durch Segeltransport?


Wir haben unseren ersten gesegelten Kaffee im Sortiment! Er verspricht nicht nur einen emissionsarmen Transport, sondern auch eine schonendere Verschiffung, die den Kaffee frischer ankommen lässt. Erfahrt hier mehr über die Chancen und Limitierungen von Segelkaffee!

Wo liegt eigentlich das Problem?

Der Seeverkehr und die Einfuhr von Kaffee, Kakao und Equipment sind eng miteinander verwoben. Wir glauben, dass es auch in unserer Verantwortung liegt, in diesem Bereich das Ruder in die Hand zu nehmen und alle Beteiligten zusammenzubringen und einzubinden: Produzenten, Verbraucher, Transportunternehmen, Zollbehörden, etc.

3 % der globalen CO2-Emissionen entstehen im Seetransport. Er ist außerdem für 20% der Schwefeldioxid- und Stickstoffdioxidemissionen verantwortlich.

Zuallererst stellen diese Emissionen große gesundheitliche Gefahren dar. Sie erzeugen Feinstaub, der erwiesenermaßen an der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegsbeschwerden beteiligt ist und den vorzeitigen Tod tausender Menschen verursacht.


Davon abgesehen tragen diese Emissionen maßgeblich zur globalen Erwärmung bei, die unsere Ökosysteme stört und kaputt macht. Kaffeebauern trifft es besonders hart, zum Beispiel durch längere Dürren oder starke Regenfälle - immer dann, wenn es nicht passt. All das wirkt sich negativ auf die Erträge aus und verstärkt Armut, weshalb Familien umziehen oder vom Kaffeeanbau abweichen müssen.

Transportschiffe erzeugen außerdem doppelt so viel Lärm, wie offiziell in Nachtclubs erlaubt ist (102 dB für maximal 15 Minuten). Das stört besonders die Wanderbewegungen der Wale, die sich mit Sonar orientieren und sich immer öfter an die Küste verirren.

Schlussendlich verstärken diese Gase auch das Problem des sauren Regens, der den Wäldern schadet, Gewässer überdüngt und durch weniger verfügbares Licht alle Formen des Lebens einschränkt.

(Quelle: Ademe & Europäische Umweltagentur EEA)

Klimaschutz

Wie trägt Transport per Segelschiff zum Klimaschutz bei?

Ein übliches, großes Containerschiff verbraucht etwa 80 g CO2 pro Kilo transportierter Güter. Ein Frachtsegelschiff hingegen verbraucht nur etwa 13 g CO2 pro kg. Wenn man den Schiffsbau und die Amortisierung dessen über die Lebensdauer der beiden Schiffe (je 25 Jahre) mit einbezieht, kommt man auf 82 g CO2 pro kg beim Containerschiff, während der Segeltransport nur 21 g CO2 pro kg ausstößt.

Kosten

Was sind die Mehrkosten?

Aktuell kommen für den Segeltransport etwas 1€/kg netto auf den Verkaufspreis für alle Kaffees aus Kolumbien und Brasilien mit Ankunft in Le Havre dazu. Wenn man den Röstverlust betrachtet, liegen die Mehrkosten gemessen an der Wertschöpfung bei 0,30€/kg netto für einen Beutel mit 250 g und bei 1,20€/kg netto für ein Kilo.

TOWT

Das Boot für unseren Kaffee

Die beiden Schiffe der Firma TOWT sind echte, 80 Meter lange Segelyachten (69 Meter des Rumpfs sind in Kontakt mit dem Wasser und 11 Meter befinden sich darüber). Sie bewegen sich im Grunde nur durch ihre Segel fort. Das nennt man Segelantrieb. Andere Anbieter arbeiten an Lösungen mit Hybridantrieben, also mit Motoren, die ständig laufen und Tragflächen, um den Treibstoffverbrauch zu senken. Die Segelschiffe, die unseren Kaffee transportieren, können bis zu 940 Tonnen Fracht mit an Board nehmen.

Frische

In den letzten Jahren kam es teils zu extremen Verzögerungen im globalen Containerschiff-Verkehr. Frisch geernteter Kaffee verbrachte mitunter Monate in den Häfen der Ursprungsländer, bis er verladen werden konnte - bei teils extremen Temperaturen und Temperaturschwankungen. Ist der Kaffee dann einmal im Container, ist er je nach Lage auf dem Containerschiff auch mehr oder weniger der Sonne ausgesetzt. 

Die Containerschiffee klappern mitunter auch mehrere Häfen auf den Ursprungskontinenten und in Europa ab, bis der Kaffee am Ziel entladen wird.

Es muss gar nicht heißen, dass aller Kaffee, der per Containerschiff transportiert ist, schon alt hier herkommt. Meistens geht alles glatt. Aber gerade in den letzten jahren ist der Transport eine zusätzliche Unsicherheit geworden, die die Qualität von Kaffee beeinträchtigen kann. Gesegelter Kaffee will hier eine zuverlässige Alternative anbieten, den frischen Kaffee auch frisch an seinen Bestimmungsort zu bringen. 


Kolumbien La Lindosa by sail

Gehört Segelkaffee die Zukunft?

Bisher lässt sich nicht abschätzen, wie viel des weltweit mit Containerschiffen transportierten Kaffees in Zukunft mit Segelschiffen an die Zielhäfen gebracht werden kann. Mit der momentan bestehenden Flotte an geeigneten Segelschiffen allerdings nur ein Bruchteil. Unser Rohkaffee-Partner Belco hat allerdings das Ziel, bis zum Jahr 2030 90% der gehandelten Kaffees mit Segelschiffen zu transportieren. 

Wir finden die Innovationen in diesem Bereich jedenfalls spannend, denn die Probleme mit dem Status Quo sind nicht wegzureden. Auch die Versprechen hinsichtlich des Frischegewinns beobachten wir genau. Dabei sind wir auch auf euer Feedback angewiesen. Schmeckt euch unser erster Segelkaffee aus Kolumbien? Sollen wir weitere gesegelte Kaffees ins Sortiment aufnehmen? Schreibt uns in die Kommentare!